

Samstag, 01.September 2007, 5.30Uhr im beschaulichen Ellerau.
Der Wecker klingelt und reißt mich aus meinen Träumen! Wie meistens vor einem Wettkampf waren Unwegsamkeiten und Pannen Teil meiner Träume. Dieses mal fand ich mein Fahrrad in der Wechselzone nicht, aber der Wecker beendete ja zum Glück dieses Fiasko. (Wenn ich zu diesem Zeitpunkt gewusst hätte, wie groß die Wechselzone auf dem Ballindamm ist, wäre ich mit diesem Traum wohl nicht so locker umgegangen!) So, jetzt aber raus aus dem Bett und unter die Dusche. Schön blöd, in 2 ½ Std. werde ich durch die Binnenalster schwimmen, warum Dusche ich da überhaupt?
Ein kleines Frühstück und ein paar Bananen für den Weg, und los geht's.
Die Ausrüstung habe ich am Abend zuvor 100x kontrolliert, so dass eigentlich nichts fehlen sollte. Als Triathlon-Anfänger bin ich definitiv noch nicht an dem Punkt wo es heißt: „Weniger ist manchmal mehr!“ Dementsprechend voll ist dann auch das Auto, nachdem ich meinen Vater, der wie immer als Betreuer fungiert, und meinen Leidensgenossen Gregor mit seiner Freundin Juliane (übrigens ebenfalls eine hervorragende Betreuerin und Fotografin) abgeholt habe.
Da um 6.15Uhr am Samstag das Verkehrsaufkommen noch recht gering ist, kommen wir zwanzig Minuten später im Herzen von Hamburg an und finden auch sofort einen Parkplatz direkt hinter der Wechselzone! So langsam steigt die Nervosität. Hunderte Triathleten und jede Menge Zuschauer befinden sich auf dem Gelände rund um die Binnenalster.

Apropos Alster, da ist sie! Sicher wir haben sie schon Hunderte Male vorher gesehen, aber heute betrachte ich das Wasser mit anderen Augen, denn schließlich soll ich heute um 8.10Uhr in die 17 Grad kalte Alster springen und sie dann, nur mit Hilfe meiner Arme und Beine durchqueren! Der Gedanke daran, dass Hunderte es uns gleichtun werden, lässt diese Vorstellung doch dann erträglicher erscheinen!
Die Zeit vor dem Start nutzen wir dann für das Anziehen des Neoprenanzuges und für das Organisieren unserer persönlichen Wechselzone, welche etwa 30x40cm beträgt.
Auf dem Weg in die Startzone laufe ich erstmals in meinem Leben Barfuß durch eine U-Bahn Station.
Es scheint der Tag der Premieren zu sein!
Um 8.00Uhr betreten wir mit reichlich Adrenalin im Kopf die Vorstartzone.
Da bemerke ich, dass ich noch meinen Ehering am Finger trage. Die Vorstellung ihn beim Schwimmen in der Alster zu verlieren und mich den Rest des Rennens mit nichts Anderem zu befassen, jagt mir einen großen Schreck ein. Glücklicherweise ist Juliane noch in der Nähe, so dass ich ihr den Ring anvertrauen kann!
Pünktlich um 8.10Uhr finden wir uns in der Binnenalster wieder. Mit ca. 40 weiteren Startern warten wir auf das Startsignal.....los geht´s!
1500 Meter bedeuten einmal Binnenalster bis unter Kennedy -und Lombardsbrücke auf die Außenalster und zurück!
Ich finde relativ schnell meinen Rhythmus und genieße den Augenblick!
35 Minuten später schwimme ich an den
Treppen am Rathausmarkt vorbei und freue mich über jeden Armzug! Der Ausstieg aus dem Wasser ist kein Problem. Auf dem Weg zur Wechselzone wartet schon meine Familie mit Anfeuerungsrufen auf mich!
In der Wechselzone sehe ich, dass Gregor noch hinter mir ist. Erster Erfolg des Tages, denn ich hatte erwartet, dass er schneller schwimmen würde als ich. Ruck Zuck das Rad geschnappt und ab geht’s auf die 40 KM lange Radstrecke an der Elbchaussee entlang. Früher oder später würde Gregor mich sowieso einholen, da er seine Stärken eindeutig auf dem Sattel hat.
Bei KM 6 überhole ich Gregor, so dass die alte Ordnung wieder hergestellt ist. (Gemessen am Alter, der Größe und dem Körpergewicht leistet Gregor jedes Mal weitaus mehr als ich!) Die letzten 2KM sind der reine Wahnsinn! Nach 2:56Std. überquere ich überglücklich die Ziellinie, und vier Minuten später läuft auch Gregor ins Ziel.
Bei KM 20 ist es soweit. Er überholt mich. Aber es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir uns auf der Strecke begegnen!
Der Wechsel vom Rad auf die Laufstrecke ist für mich der schwierigste Teil eines Triathlons, zumal es in Hamburg mal wieder regnet. Aber nach ca. 2 KM habe ich meinen Rhythmus gefunden und mache mich auf die Jagd nach Gregor. Die Schönheit der Laufstrecke entlang der Außenalster ist reine Nebensache. Mittlerweile muss ich die Zähne tüchtig zusammenbeißen.
Unsere Familien empfangen uns und gratulieren herzlich. Nach einem alkoholfreien Weizenbier, machen wir uns auf den Weg zu den Duschcontainern. Das Duschen entpuppt sich aufgrund von Enge und Feuchtigkeit als vierte Disziplin. Aber uns kann nichts mehr schocken, wir sind durch die Alster geschwommen!
Nach einem leckeren Kaffee und einem guten Mittagessen, müssen wir beim Auschecken der Räder noch einmal Geduld beweisen, da tausend weitere Teilnehmer ebenfalls ihre Fahrräder wieder haben wollen. Den Rest des Tages haben wir ein leichtes Lächeln im Gesicht, und wir sind uns sicher: Im nächsten Jahr schwimmen wir wieder durch die Alster!